Stammbaum

Die Entwicklungsgeschichte des menschlichen Stammbaums

Fokussierung auf ein Tier-Mensch-Übergangsfeld

Die 40er Jahre waren geprägt durch den 2. Weltkrieg und lieferten hinsichtlich der Stammbaumentwicklung keine nennenswerten Änderungen. Erst im nachfolgenden Jahrzehnt führten Forschungsergebnisse zu neuen Abstammungstheorien.
Zu Beginn der 50er Jahre rückte die Untersuchung der sog. Oreopithecus-Funde zunächst ins Zentrum der Bemühungen um die Abstammung des Menschengeschlechts.
Eine vollständige Analyse lag allerdings bis zum Ende dieses Jahrzehnts nicht vor, weshalb eine Beurteilung recht schwer fiel.
In einem Stammmodell von Robinson sind bereits die Ergebnisse um diese Funde eingeflossen (Abbildung 9). Danach gab es eine gemeinsame Ausgangslinie von „F. Hominidae“ und „F. Oreopithecidae“, die sich zu Beginn des Miozäns verzweigte.
Der Ursprung der Hominiden ist in der „eozänen Anaptomorphenradation“ zu suchen. Gemeinsam mit Ceboidae, Cerc und Menschenaffen hätten sich nach dieser Vorstellung die Hominiden von einem Parapithecus-ähnlichen Affen selbständig und getrennt voneinander entwickelt. Während Mollison etwa zwei Jahrzehnte zuvor die Stirnhöhlen als entscheidendes Kriterium der Hominiden anführte, wurde nun auf die Besonderheit der Zahnstruktur verwiesen.
Wiederum einen anderen Ausgangspunkt der Hominidenlinie formulierte eine „Forschungsgemeinschaft“ um G. Heberer.
Zusammen mit den Kollegen Le Gros Clark (seit 1953) und Schultz (seit 1950) veröffentlichte er die gemeinsamen Auswertungen zu einem Modell (Abbildung 10).
Bei diesem Lehrgebäude handelte es sich um eine Weiterentwicklung der Protohom-Theorie. Heberer und seine Kollegen nahmen in ihrem Stammbaum eine dreistufige Phasengliederung vor, die veranschaulichen sollte, welchen Entwicklungsstatus die Hominiden in den unterschiedlichen Zeiträumen hatten. Die drei Phasen lauteten wie Folgt: Subhumane-Phase, Tier-Mensch-Übergangsfeld, Humane Phase.
Da wäre zunächst die „Subhumane Phase“, in der die Hominiden sowohl physisch von
ihrer Konstitution, als auch psychisch, d.h. in ihren Verhaltensmustern durchaus als tierische Wesen bezeichnet werden können. Bereits in dieser Phase unterlagen diese Wesen einer erheblichen Veränderungen: „die Erwerbung des „aufrechten Ganges“ (Bipedie) und damit das Vermögen einer Lokomotion allein mit den unteren Extremitäten in ausreichender Geschwindigkeit („Rennen“)“.
Die zweite Phase, das sog. Tier-Mensch-Übergangsfeld bedeutete den Ausgangspunkt für den Übertritt vom subhumanen Hominiden zum humanen Hominiden.
Das »TMÜ« ist zeitlich nach oben bzw. unten offen, d.h. es lässt sich zum Zeitpunkt der Veröffentlichung dieses Schemas nur eindeutig sagen, dass der Zeitraum des oberen Pliozän für diese Phase zugeordnet werden kann.
Eine Einordnung von Funden in subhumane bzw. humane Phase ist nicht problematisch. „Die humane Phase ist durch physische Wandlungen ausgezeichnet, die sich besonders psychisch manifestieren. Es sind besonders zwei Phänomene zu betrachten: starke adaptive Radiation und progressive Cerebralisation in den radiierenden Stammeslinie“.
Entscheidend für den „Menschwerdungsprozeß“ sind die ersten beiden Phasen, in der die Entstehung einer Kultur beobachtet werden kann, die sich über eine Generationskette von ca. 400000 Generationen erstreckt.

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