Stammbaum

Die Entwicklungsgeschichte des menschlichen Stammbaums

Gegenwartsbetrachtung

Bevor ein Blick in die ganz frühe Vergangenheit, das Jahr 2004 geworfen wird, soll es
nachfolgend noch zu einer Betrachtung eines Stammbaums aus den späten 90er Jahren kommen.
I. Tattersall beschäftigte sich 1997 in seiner Monographie „Puzzle Menschwerdung“ umfassend mit den verschiedenen Hominidenarten und führte am Ende seiner Erläuterungen eine Möglichkeit der Veranschaulichung phylogenetischer Beziehungen an. Dieses Modell eignet sich insofern gut, als dass Tattersall den Ausschnitt Grines von
1993 – den Henke in ihrer Veranschaulichung anführen - ebenfalls in seinem Modell verwendete.
In dem Stammbaum von Tattersall sind drei Hominidenarten integriert worden, die erst in den 90er Jahren berühmt wurden; Homo ergaster , Ardipithecus ramidus und Australopithecus anamensis .
Die bei Grines noch nicht erwähnte Art A. anamensis erscheint laut Tattersall als Vorfahr von A. afarensis am wahrscheinlichsten. Die in Nordkenia entdeckten Knochenfragmente, die auf ein Alter zwischen 4,2 und 3,9 Millionen Jahre datiert wurden, unterscheiden sich nur wenig von denen der Art A. afarensis.
Nur wenig Älter sind die Fossilien aus Aramis in der Middle-Awash-Region, die der Art Ardipithecus ramidus zugeordnet werden. Vor etwa 4,4 Millionen Jahren lebte diese Art wahrscheinlich neben einem unmittelbaren Vorläufer von A. anamensis, der bei Tattersall nicht eingezeichnet ist.
Verfolgt man den Stammbaum von unten nach oben und betrachtet die Schädel im Bereich 2 Millionen Jahren, so ist die nachfolgende Art von H. habilis die Art H. ergaster, wobei in Tattersalls Modell zwischen diesen beiden ein Fragezeichen eine Lücke ausfüllt. Die Unterscheidung dieser Arten ist nicht ganz einfach. „Schließlich
fertigte der erste Homo ergaster Werkzeuge, die von denen des Homo habilis praktisch nicht zu unterscheiden sind, und auch für die Entwicklung anderer Verhaltensweisen gibt es kaum Belege“. In diesem Zeitraum muss es laut Tattersall zu entscheidenden Körperbauveränderungen entlang der Wirbelsäule gekommen sein. Dieser Wandel vollzog sich wahrscheinlich relativ schnell und wird mit dem Wettbewerb der verschiedenen Populationen der Hominiden (-arten?) begründet.
Obwohl die Unterscheidung der Werkzeuge von H. habilis und H. ergaster recht schwierig ist, geht Tattersall sicher davon, dass letzterer der Erfinder der ersten Acheuleen-Steinwerkzeuge war, die erstmals vor etwa 1,5 Millionen Jahren etwa zeitgleich mit Anzeichen einer wahrscheinlichen Beherrschung des Feuers auftauchten.
Der nächste Vertreter in Richtung Gegenwart ist der H. erectus, dessen erste Spuren nach Tattersall um 1 Million Jahre vor heute in Asien entdeckt wurden. Der Autor verweist darauf, dass möglichweise schon vor 1,5 – 2 Millionen Jahren eine Auswanderung der Hominiden vom afrikanischen Kontinent erfolgte.
Wie man an dem Stammbaum sieht, hat Tattersall für jede Hominidenart einen Schädel zeichnen lassen, der einen Eindruck darüber geben soll, welche unterschiedlichen Charakteristika in diesem Punkt jede Art aufweist. Mit dem H. erectus ist denn auch eine Art gefunden, bei der eine allmähliche Annäherung des Gehirn-Volumens an den Modernen Menschen erfolgte. Die Fossilien der letzten 500000 Jahre werden zumeist als „archaische“ Formen des H. sapiens beschrieben. „Die Hominiden dieser Periode sahen vom Hals aufwärts jedoch ganz anders aus als wir; ihre Stirn wich hinter dicken Oberaugenwülsten zurück, ihre großen Gesicher mit den (im Vergleich zum Homo sapiens) relativ großen Zähnen saßen vor dem Hirnschädel und nicht darunter“.

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