Stammbaum

Die Entwicklungsgeschichte des menschlichen Stammbaums

Homo erectus

Die Hominidenart H. erectus wird oftmals sehr differenziert betrachtet. So unterscheidet N. Conard drei sog. ÔÇ×FormenkreiseÔÇť, da sowohl in Afrika und Asien, als auch in Europa Funde gefunden wurden, die H. erectus zugesprochen worden waren.
Da w├Ąre zum einen der fr├╝he H. erectus, der auch H. ergaster genannt wird und in die Zeit 2- 1,5 Millionen reicht. Funde stammen aus Kenia, Java, China und ├äthipien. Weiterhin gibt es den sog. ÔÇ×sp├Ąten afrikanischen oder asiatischen H. erectus, der um 1,5 Millionen bis 300000 Jahren u.a. in S├╝dafrika, Tansania, Kenia, Tschad, Algerien, ├äthiopien, Java, China, Israel, Indien und Vietnam ans├Ąssig war.
Schlie├člich der europ├Ąische H. erectus, der auch die Bezeichnung H. heidelbergensis oftmals zugeschrieben kriegt und zwischen 800000 und 400000 Jahren vor heute in Frankreich, England, Spanien oder in Deutschland (Bilzingsleben, Mauer) lebte.
Von H. heidelbergensis trennen sich zwei Linien beim Tattersall, n├Ąmlich zu H. sapiens und H. neanderthalensis. Zu letzterem kann ausgef├╝hrt werden, dass ÔÇ×die ├Ąltesten Neandertalerfossilien ÔÇŽ aus der Zeit vor etwa 200 000 bis 150 000 Jahren [stammen] (je nachdem, wie man einige eher fragmentarische Funde interpretiert); doch schon bei 300.000 Jahre alten, Homo heidelbergensis-artigen Fossilien fand man neandertaler-├Ąhnliche MerkmaleÔÇť. Der Zeitpunkt des Verschwindens der Neandertaler liegt etwa 30.000 Jahre zur├╝ck. Den Grund sieht Tattersall in den modernen Verhaltensweisen des anatomisch modernen Menschen, der mit seinen Fertigkeiten dem Neandertaler wohl ├╝berlegen war.
Nach diesem ├ťberblick sollen noch einige Hominidenformen erw├Ąhnt werden, die erst in j├╝ngerer Vergangenheit in Abstammungskontext Eingang fanden.
Es geht dabei um Australopithecus garhi, Australopithecus bahrelghazali, Kenyanthropus platyops und Orrorin tugenensis.
Wie schon im Namen enthalten ist handelt es sich bei A. garhi um eine Australopithecinenart die 1999 entdeckt wurde und ein Bindeglied zwischen den Gattungen Homo und Australopithecus gewesen sein soll. Bisher sind die Forschungs-ergebnisse aber noch nicht hinreichend um eine eindeutige Bestimmung innerhalb eines Abstammungsmodells vornehmen zu k├Ânnen.
Die Entdeckung von A. bahrelghazali geht in das Jahr 1996 zur├╝ck, als Funde aus dem Tschad, die an einem Flussbett (Bahr el Ghazal) geborgen wurden, dazu f├╝hrten diese Art zu beschreiben. Insgesamt ist man sich ├╝ber die Position innerhalb des Stammbaums in der wissenschaftlichen Diskussion noch uneinig. Jedoch spricht einiges daf├╝r, dass mit A. bahrelghazali eine Art entdeckt wurde, die verdeutlicht, dass die geographische Verbreitung der Australopithecinen gr├Â├čer war, als noch Ende der 1996 angenommen wurde.
Bei K platyops handelt es sich um eine Art und Gattung, die zeitgleich mit den Australopithecinen auf jedenfall in Kenia gelebt hat. Ein stark deformierter Sch├Ądel, der f├╝r die Einf├╝hrung von K. platyops verantwortlich war, wies erhebliche Unterschiede zu den Australopithecinen auf. ├ähnlichkeiten zu H. rudolfensis wurden beobachtet, weshalb eventuell ein verwandtschaftlicher Zusammenhang beider Arten besteht.
Orrorin Tugenensis oder der sog. ┬╗Millenium Man┬ź ist eine im Jahr 2000 beschriebene Art und Gattung, dessen Fund einen sehr fr├╝hen Nachweis f├╝r die zweibeinige Fort-bewegung bedeuten. Wie auch bei K. platyops wird keine Verwandtschaft zu den Australopithecinen angenommen, sondern zur Gattung Homo, was eventuell bedeutet, dass die Entwicklungslinie zum Menschen nicht ├╝ber die Australopithecinen erfolgte, was bis heute noch nicht weiter belegt werden kann.
Diese vier neuen Arten aus der j├╝ngeren Vergangenheit bedeuten neuen Z├╝ndstoff f├╝r Diskussionen um Abstammungsfragen. Bei so vielen Arten, die im Menschwerdungs-proze├č eine Rolle gespielt haben sollen, ist es gar nicht so einfach den ├ťberblick im Stammbaum zu behalten.
Im nachfolgenden Schlussteil sollen nochmal wichtige Merkmale unterschiedlicher ÔÇ×StammbaumperiodenÔÇť behandelt werden. Es wird sich zeigen, dass ein Entwicklungs-proze├č vorliegt, der dahin tendiert, eine breiteres Publikum f├╝r den Abstammungskontext zu interessieren.

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